Waschbär Ludwig

ludwig

Ludwig ist ein echter Wildfang und ausgesprochen ängstlich – damit läuft er selbst Mousy den Rang ab.

Er wurde auf einem großen Anwesen in einem Lichtschacht gefunden, aus dem er sich nicht mehr selbst befreien konnte. Vermutlich war das sogar sein großes Glück: Er war übersät mit Wunden, die in der Tierarztpraxis aufwendig versorgt werden mussten. Wahrscheinlich war er Opfer eines Angriffs geworden, stürzte auf der Flucht in den Schacht und entkam so seinem Angreifer.

Damals wog er gerade einmal zweieinhalb Kilo – für einen etwa zweijährigen Waschbären viel zu wenig. Er hatte kaum noch Kraft; jeder Versuch, am Gitter hochzuklettern, endete mit einem Sturz, weil ihm schlicht die Kraft zum Festhalten fehlte.

Ludwig ist tief traumatisiert. Bis heute verlässt er seine Schlafbox nicht, wenn ein Mensch in der Nähe ist. Mein bisher größter Vertrauensbeweis: Er nimmt Futter aus meiner Hand an, wenn ich seinen Namen rufe.

In der Gruppe hat er die niedrigste Rangordnung. Liegen alle gemeinsam in der Box – was ohnehin eng ist –, muss er ganz unten liegen. Beim regulären Füttern kommt er stets als Letzter an die Reihe. Deshalb füttere ich ihn gezielt zu: Ich stelle den anderen den Napf mit etwas Abstand hin und warte, bis Ludwig allein oder mit höchstens einem weiteren Bären in der Box ist. Dann rufe ich ihn und reiche ihm seine Portion samt kleiner Leckereien direkt an.

Das einzige Foto von ihm entstand, als er zur Kastration sollte und kurzerhand die Transportbox zerlegte. Er flüchtete in ein Regal, sodass wir ihn mit einer unserer Schlafhütten sichern mussten: Marcel platzierte die Hütte dicht am Regal, während ich ruhig auf ihn einredete. Das beruhigte ihn so weit, dass er schließlich in die Hütte schlüpfte. Eigens für Ludwig haben wir inzwischen eine ausbruchsichere Metallbox angeschafft.

Es schmerzt sehr, dass Waschbären per EU-Verordnung nicht wieder ausgewildert werden dürfen – gerade ein Tier wie Ludwig wäre in freier Natur am besten aufgehoben. Doch es gibt Hoffnung: Seit er sich mit den Zwillingen Mika und Uthred angefreundet hat, wirkt er spürbar gelöster und liegt inzwischen sogar ganz entspannt auf dem Rücken im Reifen oder im Netz.