Zwischenfazit 2026
Dieses Jahr hatten wir wieder eine Menge zu tun, leider ging nicht immer alles so aus, wie wir es gerne gesehen hätten.

Begonnen hatte die Saison mit einem angefahrenen, halb verhungerten Fuchs, der zusätzlich auch noch Räude hatte. Leider wurden wir zu spät benachrichtigt und die Fähe hat es nicht geschafft.
Aufgrund der Räudemilben mussten wir dann das Gehege komplett desinfizieren und ließen es zwei Monate leer stehen. Sicher ist sicher.
Weiter ging es dann mit einer Waschbärfähe, die von einem Hund angefallen worden war und von den Besitzern des Hundes wohl auch noch geschlagen. So wurde uns berichtet. Ava, wie sie heute heißt, konnte kaum laufen und war in einem üblen Zustand. Auf dem Röntgenbild war kein Bruch zu sehen, allerdings hatte sie ziemliche Quetschungen und Blutergüsse entlang der Wirbelsäule.
Sie bekam Antibiotika wegen der Bisswunden und spezielle Medikation für die Nervenbahnen und leichte Schmerzmittel.
Sie zeigte sich außerordentlich dankbar und suchte immer wieder unsere Nähe, was uns vermuten ließ, dass sie von Menschen aufgezogen und dann ausgesetzt wurde, als sie zu unbequem wurde.
Ava wurde von einer Freundin adoptiert, die ihr ein Gehege ohne Klettermöglichkeiten einrichten konnte. Da Ava immer wieder versuchte zu klettern und dann fiel, war unser hohes Gehege für sie zu gefährlich.
Heute ist das Gehege oben frei und sie könnte wieder ganz normal agieren, aber es sind noch nicht alle neuronalen Probleme behoben. Aber langsam und stetig bessert sich ihr Zustand und sie ist auch nicht mehr alleine, hat Gehegekameraden. Für Ava hat sich also alles zum Besten gewandelt, auch wenn wir uns wünschen, die Heilung ginge schneller voran. Aber wie heißt es? Gut Ding will Weile haben. In der Wildtierhilfe ist vor allem Geduld gefragt.

Dann bekamen wir nacheinander mehrere Igel, die zu leicht aus dem Winterschlaf kamen.
Hier war in erster Linie Ungeziefer zu eliminieren, sie strotzten vor Flöhen. Ich glaube es gibt keine Igel ohne Flöhe. Mir ist bis jetzt noch keiner begegnet. Dazu bekamen sie extra Aufzuchtpaste und Insektenmast. Nachdem sie über 1 kg schwer waren, durften sie ihrer Wege ziehen. Den Geräuschen in unserem Garten nach, hat sich mindestens einer dazu entschieden zu bleiben.
Dann begann die Waschbärzeit.

Die ersten vier Welpen wurden uns von der zukünftigen Endstelle übergeben, die aus beruflichen Gründen keine Babys päppeln konnte. Alle zwei bis drei Stunden Flasche geben erfordert entweder Homeoffice oder anderweitige Arbeit, bei der man sich die Zeit einteilen kann.

Die vier wuchsen kräftig heran und wir waren rund um die Uhr beschäftigt. Aber zuckersüß, die Kleinen. Wie man sehen kann.
Dann kamen die Hobbits. Da die vier immer im Gänsemarsch durch die Gegend liefen, bekamen sie die Namen der vier Gefährten. Anfangs waren es vier wilde Bärchen, sie begannen zu kreischen und zu beißen, sobald man mit der Hand auch nur in die Nähe kam. Da man Waschbären nicht auswildern darf, hieß es hier, die Kleinen handzahm zu bekommen. Also kein Fläschchen und zwangskuscheln, sondern Milch im Napf – was eine Riesensauerei war – und vorsichtig annähern. Dadurch, dass die Kurzen immer gewogen werden müssen, war das eine heikle Sache.
Letztendlich fanden wir eine Endstelle und Frodo, Samweis, Pippin und Merry durften ausziehen und in ein großes Gehege umziehen.
Kaum waren die Hobbits ausgezogen, kamen Jesse und Susan. Jesse kam mit dem Fläschchen nicht klar, er saugte nicht, er kaute sich die Milch aus dem Sauger. Ein Kauboy. Wir tauften ihn Jesse James, seine Schwester dann Susan.
Beide waren von Anfang an ausgesprochen zutraulich und hingen ihrer Ersatzmama am Rockzipfel.
Beide sind noch hier und wir suchen eine Endstelle. Wobei Jesse so anhänglich an uns ist, dass wir überlegen, ihn zu behalten. Susan ist weitaus selbstständiger.
Dann kam Maggie, noch während Jesse und Susan im Haus waren. Sie war nur noch Haut und Knochen und stank drei Meilen gegen den Wind nach Maggi, so kam sie auch zu ihrem Namen. Eine ganze Weile war nicht sicher, dass sie auch durchkommt. Anfangs bekam sie Elektrolyte und nur ganz wenig Milch, dann steigerten wir den Anteil Milch. Die Organe der kleinen Maus waren sehr in Mitleidenschaft gezogen worden.
Vom ersten Tag an klammerte sie sich an mich, als hinge ihr Leben davon ab, was ja letztendlich auch stimmte. Kaum war sie nicht bei mir, fing sie an zu schreien. Das Video zeugt davon, es ist nichts für schwache Nerven.
Maggie war außerordentlich anstrengend, sie musste wirklich rundum betreut werden, dafür freundete sie sich aber auch direkt nach der Quarantäne mit Mellon an, ihrem „großen Bruder“. Die Freundschaft besteht heute noch. Maggie wird auch bei uns bleiben.
Während Maggie also gesund wurde und zunahm, kam der Schnuffel zu uns.

Er ist ein wilder, kleiner Kerl, genauso wild und ängstlich wie die Hobbits waren. Da er noch viel kleiner war, war anfangs Fläschchen geben Pflicht, das war jedes Mal ein kleiner Kampf. Beim Hochnehmen biss er um sich und bis das Fläschchen dann an seiner Nase war, schnuffte er und blaffte. Ich sagte irgendwann zu ihm, „Ach Schnuffelchen!“ und so stand der Name fest. Auch der Schnuffel musste 14 Tage in Quarantäne – wie jedes Tier bei uns.
Das ist für einen Waschbären eine Strafe, sind sie doch außerordentlich soziale Tiere, die in Gruppen leben und auch aufwachsen.
Der Schnuffel mauserte sich aber und sobald die Quarantäne vorbei war, durfte er zu den anderen ins Gehege, wo in der Zwischenzeit auch Eddie eingezogen war. Eddie kam von einer Pflegestelle und war dort ein Einzelbärchen. Damit er in Gesellschaft kam, nahmen wir ihn auf.
Kaum war der Schnuffel im Gehege, orientierte er sich sofort an Eddie und die beiden sind wie Pech und Schwefel oder Arsch auf Eimer, wie man so sagt.
Das folgende Video ist etwas länger und zeigt, wie die fünf Bärchen im Gehege herumtollen und wie wenig Rücksicht der kleine Schnuffel auf den großen Eddie nimmt.
Wir suchen immer noch eine Endstelle für die Kleinen. Eddie und der Schnuffel sollten zusammen bleiben. Susan wäre das perfekte Partnerbärchen, sie ist aufgeschlossen, schmust und weiß sich zu behaupten. Jesse und Maggie sind da ganz anders.
Das war das Fazit bis jetzt, Mitte September. Da ich mir erlaube, im November meine Kinder zu besuchen, werden wir für Welpen einen Aufnahmestopp verhängen müssen, Igelkinder, die schon selbstständig fressen können, können wir allerdings noch „mästen“.
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