
Toni kam zu uns, als wir gerade unsere Füchse in das große Gehege zur Auswilderung überführt hatten. Unsere Kontaktperson in der Wildtierhilfe in Berlin fragte also, ob wir auch einen Waschbären aufnehmen würden. Da für uns alle fühlenden Lebewesen ein Recht auf Leben und Hilfe haben, sagten wir ja. Wir ahnten ja nicht, was das nach sich ziehen würde.
Von der vorigen Pflegerin erfuhren wir, dass Toni – der damals noch keinen Namen hatte – panische Angst vor nackten Händen hatte und auch sonst kein Kuschelbär sei.

Um dem armen Kerl keine Angst zu machen, nahmen wir also alle Pflegemaßnahmen mit Handschuhen vor. Mitten im Juni war das eine schweißtreibende Angelegenheit.
Toni entpuppte sich als überaus ängstlich und auch stark traumatisiert. Es dauerte Wochen, bis wir ihn an unsere nackten Hände gewöhnt hatten und er auch Futter aus den Händen nahm.
Wir standen oft am Kratzbaum, auf den er immer hoch kam aber nie wieder herunter. Die Hände ohne Handschuhe auf den Rand gelegt und keine Bewegung machend, standen wir wie Salzsäulen da, damit er merkte, dass die Hände ihm nichts tun.

Anfassen ging nur, wenn wir ihm ein Handtuch über den Kopf legten und er nichts sehen konnte.
Mit der Zeit entwickelte Toni sich und wurde sicherer im Umgang mit uns. Nachdem er feststellte, dass unsere Hände oft Eierwaffeln brachten, fraß er uns aus der Hand und heute darf ich ihn auch streicheln. Marcel nicht, gegen Männer reagiert er allergisch, da verzieht er sich. Also bekommt Marcel die ehrenvolle Aufgabe, alle unangenehmen Sachen mit Toni anzustellen. Also ihn in die Box stecken, wenn er zum Tierarzt muss – Kastration und Impfung müssen ja sein. Ich bin die Gute, ich bring ja immer Leckereien mit.
Im Umgang mit den anderen Bären ist Toni sozial – außer es geht um Futter. Aber da sind sich alle Waschis nicht fein.
Heute ist Toni ein begeisterter Laufrad-Nutzer, mit seinem Kumpel Mousy zusammen rennt er um die Wette und er spielt gerne im Außengehege im Netz.
Auch wenn er kein Kuschelbär ist, er gehört fest zu unserer Bande dazu und wir möchten ihn nicht mehr missen.
